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Curta
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Die Curta ist eine mechanische Rechenmaschine in Form eines Zylinders mit einer Kurbel an der Oberseite. Das Funktionsprinzip ist das der doppelten Staffelwalze. Sie wurde in den 1940er-Jahren von Curt Herzstark entwickelt und von 1947 bis 1970 vom liechtensteinischen Unternehmen Contina AG in einer GesamtstĂŒckzahl von etwa 140.000 produziert. Mit einer Höhe von 85 mm und einem Durchmesser von 53 mm ist die Curta I die kleinste serienmĂ€Ăig hergestellte mechanische Vier-Spezies-Rechenmaschine der Welt.
Contents
âą Curta I und II
âą Bedienung
âą Beispiel: Wurzel
âą Curta-Sammlungen
âą Simulationen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Aufbau und Varianten
Die Curta besteht im Wesentlichen aus einer zentralen Welle, die die Funktion der Staffelwalze ĂŒbernimmt und an deren oberen Ende die Kurbel angebracht ist, sowie aus dem GehĂ€use, das die ĂŒbrigen Elemente trĂ€gt.
Die Staffelwalze der Curta besteht aus einem Blechpaket, wobei die einzelnen Bleche unterschiedliche ZÀhnezahlen haben und auf diese Weise die Ziffern codieren. Jedes Blech ist doppelt vorhanden, um durch Verschieben der Walze subtrahieren zu können, was durch Addition des Zehnerkomplements erfolgt. Jede Ziffer wird dabei auf 9, die Einerziffer auf 10 ergÀnzt.
Beispiel fĂŒr dreistellige Rechnung: Um 173 von 451 zu subtrahieren, addiert man das Komplement 827 und erhĂ€lt 1278. Nach Streichung der fĂŒhrenden 1 erhĂ€lt man das korrekte Ergebnis.
An der SeitenflĂ€che des GehĂ€uses befindet sich das Einstellwerk mit acht bzw. elf Einstellgriffen. Die Griffe ragen nach innen und verschieben dort kleine ZahnrĂ€der, die auf einer zweiten, weiter innen liegenden Welle lose gelagert sind. Wenn die Staffelwalze gedreht wird, verdrehen die ZĂ€hne die Wellen dieser RĂ€der je nach Stellung des Griffes und der Kurbel unterschiedlich weit. Im drehbaren Oberteil des GehĂ€uses, dem sog. âRundwagenâ (oder kurz âWagenâ), befinden sich die beiden Ergebniswerke, nĂ€mlich das 11- bzw. 15-stellige ResultatzĂ€hlwerk (schwarz hinterlegt) und das 6- bzw. 8-stellige UmdrehungszĂ€hlwerk (weiĂ hinterlegt.) Die Ăbertragung auf diese ZĂ€hlwerke erfolgt durch kleine KronrĂ€der am oberen Ende der inneren Wellen. Weitere ZahnrĂ€der und Hebelchen sorgen fĂŒr den korrekten ZehnerĂŒbertrag von Stelle zu Stelle.
Der Rundwagen ist federnd gelagert und lĂ€sst sich nach leichtem Anheben versetzen, was fĂŒr das stellenrichtige Rechnen erforderlich ist. In der angehobenen Position lĂ€sst sich auch der Löscherhebel bedienen, der mit weiteren ZahnrĂ€dern alle ĂŒberstrichenen RĂ€der der Ergebniswerke auf Null setzt.
Curta I und II
Die Curta konnte in der AusfĂŒhrung I bis zu elfstellige Ergebnisse liefern. Sie besteht aus 571 Einzelteilen.
Das spĂ€tere Modell Curta II liefert fĂŒnfzehnstellige Ergebnisse und besteht aus 719 Einzelteilen. Die seitliche HĂŒlle der Curta II ist schwarz (Modell 1953) bzw. grau (Modelle 1958 und 1969) lackiert.
Bedienung
Die Curta beherrscht die vier Grundrechenarten, wobei alle Rechnungen auf Additionen und Subtraktionen zurĂŒckgefĂŒhrt werden. FĂŒr die Bedienung muss man nur im Kopf behalten, dass jede Drehung der Kurbel eine stellenrichtige Addition des Einstellwerks (EW) ins Resultatwerk (RW) zur Folge hat. Solange man das EW nicht verstellt, gilt daher nach beliebig vielen Drehungen und Versetzungen des Wagens stets RW = EW * UW.
Die Maschine lĂ€sst sich bequem in einer Hand halten und weitgehend auch einhĂ€ndig bedienen. Man kann alle Manipulationen mit der rechten Hand ausfĂŒhren (wenn man die Maschine in der linken hĂ€lt), nach einiger Ăbung wird man aber das Versetzen des Oberteils (des âRundwagensâ) und ggfs. auch die Bedienung des EW mit der linken Hand bewerkstelligen.
Im einfachsten Fall der Addition wird einer der beiden Summanden ĂŒber die Stellschieber auf der ZylinderauĂenseite eingegeben (die Ziffern sind dabei in kleinen Fensterchen ablesbar) und mittels einer Kurbelumdrehung ins Ergebniswerk addiert. Die Kurbelumdrehungen werden dabei im UmdrehungszĂ€hlwerk (UW) vorzeichenrichtig nachgehalten. Dann stellt man den zweiten Summanden ein, fĂŒhrt eine weitere Kurbelumdrehung durch und liest das Ergebnis ab.
Durch wiederholte RechenvorgĂ€nge mit versetzten Stellen (durch Anheben und Versetzen des Rundwagens) lassen sich Multiplikationen ganz analog zum schriftlichen Multiplizieren ausfĂŒhren, man berechnet also eine Stelle nach der anderen. Zieht man die Kurbel ein kleines StĂŒck in Achsrichtung heraus, lassen sich Subtraktionen und â wiederum stellenweise â Divisionen rechnen. Eine Sperrklinke verhindert ein RĂŒckwĂ€rtsdrehen der Kurbel, und ein Löschhebel setzt das Ergebnis- oder UmdrehungszĂ€hlwerk (oder beide) zurĂŒck. Kurbel, Löschhebel und Rundwagen sind dabei so gegeneinander gesperrt, dass sich immer nur eines der Bedienelemente auĂerhalb seiner Grundstellung befinden kann.
Die âGrundstellungâ der Kurbel ist dabei deutlich spĂŒrbar. Falls sich die Kurbel in dieser Stellung befindet, beide ZĂ€hlwerke gelöscht sind, die Einstellgriffe auf Null stehen und sich der Umschalthebel des UmdrehungszĂ€hlwerkes oben befindet, wird die Maschine als rechenklar bezeichnet.
Beispiel: Addition und Subtraktion
Aufgabe: 314,55 + 2135,30 â 875,92
Das Komma wird, falls gewĂŒnscht, mit den Kommaknöpfen markiert, hat aber auf die eigentliche Rechnung keinen Einfluss.
1. Maschine rechenklar machen.
2. 31455 einstellen, an Griffen 5 bis 1.
3. Eine Kurbelumdrehung machen. (31455 erscheint jetzt im ResultatzÀhlwerk.)
4. 213530 einstellen, an Griffen 6 bis 1.
5. Eine Kurbelumdrehung machen. (Im ResultatzÀhlwerk erscheint das Zwischenergebnis 244985, das 2449,85 bedeutet, aber im Normalfall nicht beachtet werden muss.)
6. 87592 einstellen, an Griffen 5 bis 1, dabei nicht vergessen, Griff 6 auf Null zu stellen.
7. Optional: Umschalthebel des UmdrehungszĂ€hlwerkes in die âentgegengesetzt zĂ€hlenâ-Position bringen.
8. Kurbel in die Subtraktionsstellung herausziehen und eine Drehung machen (dies wird als âeine subtraktive Kurbeldrehung machenâ abgekĂŒrzt.)
9. Resultat 1573,93 ablesen. Im UmdrehungszÀhlwerk steht 3, die Zahl der Posten, falls man in Schritt 7 umgeschaltet hat, sonst 1.
Beispiel: Multiplikation
Aufgabe: 4 165,78 · 292,3
Wiederum werden Kommas zunÀchst nicht beachtet. Wenn man die Wahl hat, stellt man vorteilhaft den Faktor mit mehr Ziffern im Einstellwerk ein.
1. Maschine rechenklar machen.
2. 416 578 einstellen, an Griffen 6 bis 1.
3. Drei Kurbelumdrehungen machen, Kontrolle am UmdrehungszÀhlwerk. ResultatzÀhlwerk zeigt 1 249 734.
4. Wagen anheben und an Stelle 2 versetzen.
5. Zwei Kurbelumdrehungen machen, Kontrolle wie oben.
6. Wagen anheben und an Stelle 3 versetzen.
7. Neun Kurbelumdrehungen machen oder â klĂŒger â eine subtraktive Kurbelumdrehung machen (290 = 300 â 10)
8. Wagen anheben und an Stelle 4 versetzen.
9. Zwei bzw. â wenn man zuvor subtraktiv gedreht hat â drei Kurbelumdrehungen machen, Kontrolle wie oben. Das ResultatzĂ€hlwerk zeigt 1 217 657 494, was 1 217 657,494 bedeutet, da das Produkt so viele Nachkommastellen haben muss wie die beiden Faktoren zusammen, hier also drei. Ăberschlagsrechnung im Kopf: 4 000 · 300 = 1,2 Millionen, stimmt. (Im Regelfall wird man das Resultat sinnvoll runden.)
Mit dem gleichen Ergebnis lĂ€sst sich die Rechnung âvon obenâ â also an Wagenposition 4 beginnend â oder sogar in beliebiger Reihenfolge durchfĂŒhren. Das Vorgehen ist völlig analog zur schriftlichen Multiplikation, die man ebenfalls stellenweise vornimmt.
FĂŒr eine weitere Multiplikation muss das Ergebnis normalerweise wieder ins Einstellwerk ĂŒbertragen werden, was nur manuell möglich ist. (GröĂere Tischmaschinen boten hĂ€ufig eine Automatik fĂŒr diese Funktion.) FĂŒr kurze Zahlen gibt es aber Tricks, zwei Multiplikationen ânebeneinanderâ auszufĂŒhren (s. Weblink).
Beispiel: Division
HierfĂŒr gibt es zwei Verfahren: das âaufbauendeâ und das âabbauendeâ Verfahren. Beiden Verfahren ist gemeinsam, dass sich der Divisor (Teiler) im Einstellwerk befindet und das Divisionsergebnis im UmdrehungszĂ€hlwerk abgelesen wird, was die Stellenzahl auf 6 bzw. 8 (bei der Curta II) begrenzt. Beim aufbauenden Verfahren beginnt man mit Null im ResultatzĂ€hlwerk und baut hier den Dividenden auf, beim abbauenden Verfahren befindet sich der Dividend bereits im Resultatwerk (mit Vorteil möglichst weit links, was ggfs. zuvor zu berĂŒcksichtigen ist) und man findet das Ergebnis durch âHerauskurbelnâ.
Im Regelfall geht eine Division nicht auf; man versucht dann, einen möglichst guten NÀherungswert zu finden, und rundet sinnvoll.
A. Aufbauendes Verfahren
Aufgabe: 310 : 4,68 = ?
1. Maschine rechenklar.
2. 468 einstellen, möglichst weit links, also Griffe 6 bis 4 (Curta I) oder 8 bis 6 (Curta II). (Im Folgenden ist das Beispiel fĂŒr die Curta I gerechnet.)
3. Wagen in Position 6.
4. Additive Kurbelumdrehungen, um möglichst nahe an 310 zu gelangen. Nach sieben Umdrehungen ist 327,6 erreicht, die 3 ist dabei nicht mehr sichtbar und in Gedanken vorne anzufĂŒgen. (Die Kommareiter sind vortrefflich als GedankenstĂŒtze geeignet, einen vierten stellt man zwischen die Stellen 9 und 10.) Alternativ könnte man eine Stelle tiefer beginnen; dies geht aber auf Kosten der Genauigkeit.
5. Wagen in Position 5.
6. Subtraktive Kurbeldrehungen (Resultatwerk ist zu hoch), um 310 besser anzunĂ€hern. Nach drei Drehungen ist 313,56 erreicht, eine vierte Drehung ergibt 308,88. Der letzte Wert ist nĂ€her (andernfalls wĂŒrde man das letzte Ergebnis durch eine additive Drehung wiederherstellen.)
7. Wagen in Position 4.
8. Additive Drehungen. Nach zwei Drehungen ist 309,816 erreicht, eine dritte Drehung wĂŒrde auf 310,284 fĂŒhren, beide Zwischenergebnisse sind akzeptabel.
9. Wagen in Position 3.
10. Weitere Drehungen in Richtung auf 310. Nach vier additiven (wenn man zuvor zwei Drehungen gemacht hat) oder sechs subtraktiven Drehungen erreicht man 310,0032. Das UmdrehungszÀhlwerk zeigt 662 400, also 66,24.
11. Wagen in Position 2.
12. Eine subtraktive Drehung ergibt 309,998 52.
13. Wagen in Position 1.
14. Drei additive Drehungen ergeben 309,999 924, was die bestmögliche AnnÀherung darstellt. Im UmdrehungszÀhlwerk liest man das Ergebnis 66,239 3 ab. Der zwölfstellige Wert wÀre 66,239 316 239 3.
B. Abbauendes Verfahren
Analog wie oben, abgesehen davon, dass man beim Ausgangswert anfĂ€ngt und auf Null kurbelt. Dazu ist der Umsteuerhebel in die âentgegengesetzt zĂ€hlenâ-Position zu bringen.
Aufgabe: 2040,3 : 17,26 = ?
20 403 000 000 befindet sich im Resultatwerk, das UmdrehungszÀhlwerk ist gelöscht.
1. Kontrolle des Umsteuerhebels: untere Position.
2. 1726 einstellen, möglichst weit links, also Griffe 6 bis 3 (Curta I) oder 8 bis 5 (Curta II). (Im Folgenden ist das Beispiel fĂŒr die Curta I gerechnet.)
3. Wagen in Position 6.
4. Eine subtraktive Drehung machen.
5. Wagen in Position 5.
6. Durch weitere Drehungen Null annÀhern; nach zwei subtraktiven Drehungen ist 99 691 000 000, also eine negative Zahl erreicht.
7. Wagen auf die weiteren Positionen versetzen und entsprechend weiter kurbeln. Man erhÀlt 118,210, der zwölfstellige Wert wÀre 118,209 733 488.
Beispiel: Zusammengesetzte Punktrechnung (Dreisatzaufgabe)
Diese hĂ€ufig vorkommende Aufgabe kann bei genĂŒgend âkurzenâ Zahlen oder ausreichender Stellenzahl verkĂŒrzt gerechnet werden, indem man die Zahlen im Einstellregister an die Enden stellt. EW und RW werden dann gedanklich so weit rechts wie möglich geteilt.
Aufgabe: 1980 * 395 : 144
1. Maschine rechenklar.
2. Nenner 144 so weit wie möglich links einstellen, also Griffe 8 bis 6 (wiederum fĂŒr die Curta I).
3. Den zweiten Faktor 395 so weit wie möglich rechts einstellen, also Griffe 3 bis 1. Drei Ziffern sind erforderlich.
4. Wagen in Position 4, an die niedrigste Stelle hinter der gedanklichen Teilung.
5. Durch Kurbeln jetzt den ersten Faktor in den oberen Stellen des RW erreichen, also eine Drehung in Position 4, vier Drehungen in Position 3, zwei subtraktive Drehungen in Position 2, und fĂŒnf weitere subtraktive Drehungen in Position 1.
6. RW zeigt jetzt 19 800 543 125, UW zeigt 001 375. Das Endergebnis ist 5 431,25 und der Quotient aus erstem Faktor und Nenner 13,75.
Effektiv hat man dabei im linken Teil des EW und RW nach der aufbauenden Methode dividiert und im rechten Teil den Quotienten im gleichen Arbeitsgang mit dem zweiten Faktor, hier 395, multipliziert. Falls die Division nicht aufgeht oder die Werte zu groĂ sind, laufen die Zahlen ineinander und man muss die Rechnungen einzeln ausfĂŒhren.
Beispiel: Wurzel
Die Bestimmung der Quadratwurzel ist mit einem iterativen NÀherungsverfahren (s. u.) ebenfalls möglich. Voraussetzung ist, dass man einen ungefÀhren NÀherungswert kennt, entweder aus einer Tabelle, durch einen Blick auf den Rechenschieber oder durch SchÀtzen.
Aufgabe: Bestimme 804,129 {\displaystyle {\sqrt {804{,}129}}} .
Der Rechenschieber liefert eine NÀherung 28,4. Diesen Wert quadriert man zunÀchst.
1. Maschine rechenklar.
2. 284 einstellen, möglichst weit links (unter Beachtung der erforderlichen Verdoppelung in Schritt 9), also Griffe 6 bis 4 (Curta I) oder 8 bis 6 (Curta II). (Im Folgenden ist das Beispiel fĂŒr die Curta I gerechnet.)
3. Wagen in Position 6.
4. Drei additive Drehungen (da eine 8 in der nĂ€chstniedrigeren Stelle folgt); Kontrolle, dass das ErgebniszĂ€hlwerk nicht ĂŒberlĂ€uft. (Sollte dies passieren, kann man die Rechnung auf Kosten der Genauigkeit eine Stelle tiefer neu anfangen, oder man muss sich die herausgefallene Ziffer wie oben merken und gedanklich vorne anfĂŒgen.)
5. Wagen in Position 5.
6. Zwei subtraktive Drehungen. Kontrolle des UmdrehungszÀhlwerkes, zeigt 280 000.
7. Wagen in Position 4.
8. Vier additive Drehungen. Kontrolle des UmdrehungszÀhlwerkes, zeigt 284 000. Das ResultatzÀhlwerk zeigt 80 656 000 000, also 806,56, der SchÀtzwert ist also ein wenig zu hoch, aber schon sehr gut.
9. Im Einstellwerk das Doppelte des ursprĂŒnglichen SchĂ€tzwertes an den gleichen Stellen einstellen. Hier also Position 4 auf â8â, Position 5 auf â6â und Position 6 auf â5â, dabei den Ăbertrag von 2 · 284 = 568 berĂŒcksichtigen. Mit dieser Einstellung kurbelt man weiter, bis das Resultatwerk einen Wert möglichst nahe an der AusgangsgröĂe anzeigt.
10. Mit dem Wagen noch in Position 4, eine subtraktive Drehung. Man erhÀlt 80 088 000 000. (Sollte der anfÀngliche SchÀtzwert zu schlecht gewesen sein, kann man den Wagen auch wieder auf höhere Positionen versetzen.)
11. Wagen in Position 3.
12. Kurbeln, bis der gesuchte Wert knapp erreicht oder leicht ĂŒberschritten ist. Nach sechs Umdrehungen erhĂ€lt man 80 428 800 000.
13. Wagen in Position 2.
14. Kurbeln, bis der gesuchte Wert ungefÀhr erreicht ist. Nach drei subtraktiven Drehungen erhÀlt man 80 411 760 000.
15. Wagen in Position 1.
16. Kurbeln, bis der gesuchte Wert ungefĂ€hr erreicht ist. Nach zwei additiven Drehungen erhĂ€lt man 80 412 896 000. Im UmdrehungszĂ€hlwerk liest man ab 283 572, also 28,357 2, eine verbesserte NĂ€herung, die sicher auf vier, wahrscheinlich auf fĂŒnf Stellen genau ist. Man wird daher normalerweise hier aufhören, kann aber natĂŒrlich mit dem verbesserten Wert die Rechnung wiederholen. (Der zwölfstellige Wert ist 28,357 168 405 9, mit einer Curta I ist also von einer zweiten Approximation bereits keine Verbesserung mehr möglich.)
Mathematischer Hintergrund (Newton-Verfahren): FĂŒr den NĂ€herungswert N, den unbekannten Fehler E und die ebenfalls unbekannte Wurzel R gilt R = N + E {\displaystyle R=N+E} und daher R 2 = N 2 + 2 N E + E 2 {\displaystyle R^{2}=N^{2}+2NE+E^{2}} . VernachlĂ€ssigt man den quadratischen Term in E, erkennt man, dass man durch Addition oder Subtraktion von 2N zu einer AbschĂ€tzung fĂŒr E und damit einem besseren Wert fĂŒr N kommt. Im Regelfall kann man die Zahl der exakten Stellen in jedem Schritt annĂ€hernd verdoppeln. Das Verfahren lĂ€sst sich ebenfalls in einer subtraktiven Variante anwenden, analog der Division nach dem abbauenden Verfahren. SchlieĂlich lĂ€sst sich das Verfahren auch fĂŒr dritte Wurzeln anwenden, indem man R 3 = N 3 + 3 N 2 E + T. h. O. {\displaystyle R^{3}=N^{3}+3N^{2}E+{\text{T. h. O.}}} ausnutzt, den SchĂ€tzwert kubiert und dann das Dreifache seines Quadrates als Korrekturwert verwendet.
Wurzel: direktes Verfahren
Das direkte Radizieren gelingt mit der âMethode der Subtraktion ungerader Zahlenâ nach Töpler (s. u.). Dabei unterteilt man den Radikanden in Zweiergruppen und beginnt an der Einerstelle der höchsten Zweiergruppe nacheinander 1, 3, 5 usw. zu subtrahieren. Sobald ein Unterlauf auftritt, wird die subtrahierte Zahl wieder summiert, die nĂ€chstkleinere gerade Zahl eingestellt und das Verfahren an der nĂ€chsten Wagenposition neu begonnen.
Aufgabe: Bestimme 2 785,857 5 {\displaystyle {\sqrt {2\,785{,}857\,5}}} .
1. Maschine rechenklar.
2. 27 858 575 möglichst weit links ins Resultatwerk bringen. HierfĂŒr sind zwei Schritte erforderlich, zunĂ€chst die beiden letzten Ziffern in der Stellung 4, dann die ĂŒbrigen Ziffern in der Stellung 8. (Das Beispiel ist fĂŒr die Curta I gerechnet.)
3. UmdrehungszÀhlwerk löschen.
4. Umsteuerungshebel in die âumgekehrt zĂ€hlenâ (untere) Stellung bringen.
5. An der Einerstelle der höchsten Zweiergruppe (also der linken â7â) eine 1 einstellen, alle anderen Hebel auf Null.
6. Eine subtraktive Drehung machen.
7. Hebel auf 3 weiter schieben.
8. Eine subtraktive Drehung machen.
9. Hebel auf 5 weiter schieben.
10. Eine subtraktive Drehung machen.
11. Hebel auf 7 weiter schieben.
12. Eine subtraktive Drehung machen.
13. Hebel auf 9 weiter schieben.
14. Eine subtraktive Drehung machen.
15. Hebel auf 1 zurĂŒck schieben und den nĂ€chsthöheren Hebel auf 1 (entspricht 11).
16. Eine subtraktive Drehung machen.
17. An dieser Stelle tritt ein Unterlauf auf. Man addiert daher die Zahl sofort wieder.
18. Hebel 5 (die Einerstelle) um eine Position zurĂŒck (auf die 0, entsprechend 10).
19. Wagen auf Position 5.
20. Hebel 4 auf 1 stellen.
21. Eine subtraktive Drehung machen.
22. Hebel auf 3 weiter schieben.
23. Eine subtraktive Drehung machen.
24. Hebel auf 5 weiter schieben.
25. Es tritt wieder ein Unterlauf auf, also die 5 sofort wieder addieren.
26. Hebel zurĂŒck auf 4.
27. Wagen auf Position 4.
28. Hebel 3 auf 1 stellen.
29. Eine subtraktive Drehung machen.
30. Hebel auf 3 weiter schieben.
31. Eine subtraktive Drehung machen.
32. Hebel auf 5 weiter schieben.
33. Eine subtraktive Drehung machen.
34. Hebel auf 7 weiter schieben.
35. Eine subtraktive Drehung machen.
36. Hebel auf 9 weiter schieben.
37. Eine subtraktive Drehung machen.
38. Hebel auf 1 zurĂŒckschieben und Hebel 4 von 4 auf 5 stellen, um 11 zu subtrahieren.
39. Eine subtraktive Drehung machen.
40. Hebel 3 auf 3 weiter schieben.
41. Eine subtraktive Drehung machen.
42. Hebel 3 auf 5 weiter schieben.
43. Eine subtraktive Drehung machen.
44. Es tritt wieder ein Unterlauf auf, also die 5 (bzw. 15) sofort wieder addieren.
45. Hebel 3 zurĂŒck auf 4.
46. Wagen in Position 3.
47. Hebel 2 auf 1 stellen.
48. Analog weiter subtrahieren, der Unterlauf tritt nach der Subtraktion von 17 auf.
49. Hebel 2 zurĂŒck auf 6.
50. Wagen in Position 2.
51. Hebel 1 auf 1 stellen.
52. Analog weiter subtrahieren, der Unterlauf tritt nach der Subtraktion von 3 auf.
53. An dieser Stelle steht kein weiterer Hebel fĂŒr folgende Stellen zur VerfĂŒgung, weil man an der Einerstelle beginnen musste. Eine weitere Stelle lieĂe sich gewinnen, indem man die vordere 2 nur virtuell einstellt und bei den ersten Schritten erst den dritten Unterlauf auswertet, analog zum Verfahren bei der Division. Die beiden im UmdrehungszĂ€hlwerk ablesbaren Werte sind 52,781 (vor der Subtraktion von 3) und 52,782 (nach dem Unterlauf). Man sieht am Resultatwerk, dass der genaue Wert nĂ€her am ersten liegen muss, und könnte ggfs. weitere Stellen durch Interpolation gewinnen. (Der zwölfstellige Wert ist 52,781 222 987.)
Entwicklung und Vertrieb
Die Curta ist eine ausgeklĂŒgelte feinmechanische Konstruktion. Ihre Besonderheit ist, dass sie im Gegensatz zu den sonst zur damaligen Zeit ĂŒblichen Rechenmaschinen anstelle eines Rechengetriebes pro Stelle nur ein solches Getriebe besitzt, das sich auf der zentralen Welle befindet und die einzelnen Stellen nacheinander berechnet. Diese Welle ist dafĂŒr aus Segmenten zusammengesetzt, die unterschiedliche ZĂ€hnezahlen haben und daher die Anzeigen auf der Oberseite unterschiedlich weit drehen können. Alle Teile (bei der Curta II ĂŒber 700) sind aus Metall gefertigt (Ausnahme: bei Maschinen aus spĂ€ter Produktion waren Kurbel und Löschhebel aus Kunststoff). Spezielle Entgratungs- und Selektionsverfahren sorgen fĂŒr einen problemlosen und seidenweichen Lauf.
Anzumerken ist, dass dieses Prinzip aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert stammt; in dieser Zeit waren solche Rechenmaschinen als âRechenmĂŒhlenâ bekannt, u. a. von Hahn, Schuster und MĂŒller, sowie im 19. Jahrhundert durch Edmondson. Ein Pendant aus Ă€hnlicher Zeit ist die Maschine âGauĂâ, um 1905, von Christel Hamann. In ihrer Perfektion und Miniaturisierung ist die Curta aber einzigartig.
Sie wurde von dem österreichischen BĂŒromaschinenfabrikanten Curt Herzstark konstruiert. Herzstark beendete die KonstruktionsplĂ€ne im KZ Buchenwald. Die Curta ging erst nach dem Krieg in Liechtenstein bei der eigens gegrĂŒndeten Contina AG in Produktion. Sie war zu ihrer Zeit eine technische Sensation; zwar gab es leistungsfĂ€higere Rechenmaschinen, auch mit elektrischem Antrieb und mit erweiterten Funktionen wie der RĂŒckĂŒbertragung eines Ergebnisses ins Einstellwerk, diese waren aber erheblich gröĂer und kaum transportabel. UrsprĂŒnglich sollte sie Liliput heiĂen; der Name Curta leitet sich vom Vornamen des Konstrukteurs ab.
Produktionsstart war 1947. Der elfstellige Typ I war 85 mm hoch und hatte einen Durchmesser von 53 mm. Er besitzt ein Einstellwerk mit acht Stellen und ein ResultatzĂ€hlwerk mit elf Stellen. Ab Januar 1954 wurde zusĂ€tzlich der Typ II mit einem 11-stelligen Einstell- und 15-stelligen ResultatzĂ€hlwerk produziert. Er ist mit 90 Ă 65 mm etwas gröĂer, im Aufbau aber prinzipiell gleich.
Insgesamt wurden bis 1971 rund 140.000 Exemplare der Curta hergestellt; genaue Produktionszahlen sind allerdings nicht bekannt. Der Preis der AusfĂŒhrung I lag im Jahr 1965 bei 425 DM (1.032 ⏠nach heutiger Kaufkraft), die gröĂere Curta II kostete 535 DM (1.300 âŹ). Die Curta war zu ihrer Zeit in allen Bereichen im Einsatz, in denen man heute Taschenrechner findet, im Ingenieurwesen wurde aber hĂ€ufig (fĂŒr die Punktrechnung) der Rechenschieber vorgezogen, der zwar ein ungenaueres Ergebnis liefert, aber fĂŒr diese Anwendung deutlich schnelleres Rechnen ermöglicht. Aufgrund ihrer geringen GröĂe war sie trotz des vergleichsweise hohen Preises sehr beliebt, wurde aber in den frĂŒhen 1970er-Jahren schnell von elektronischen Rechnern (HP-35) verdrĂ€ngt. Die Curtas sind daher aus dem Alltagsgebrauch verschwunden, aber ein sehr beliebtes Sammelobjekt, fĂŒr das, insbesondere bei guter Erhaltung, entsprechende Preise gezahlt werden.
Zu Demonstrationszwecken gab es auch Curtas mit Ăffnungen im GehĂ€use und Einzelteile, auch in GroĂausfĂŒhrung. Eine Curta mit elektrischem Antrieb (ĂŒber Batterie) wurde ebenso verworfen wie ein Muster mit trigonometrischen Skalen. Der Vorarlberger Ingenieur Elmar Maier befasste sich mit der Elektrifizierung der Curta.
Die Curta Rechenmaschine wurde weltweit vertrieben und war Ă€uĂerst beliebt. Die ETH ZĂŒrich veranstaltete 1957 auch EinfĂŒhrungskurse fĂŒr Gymnasiallehrer, die gut besucht waren. Zahlreiche Institutionen in der Schweiz verwendeten die handliche Maschine. Darunter waren etwa die Schweizer Bundesverwaltung, das Institut fĂŒr angewandte Mathematik sowie Institut fĂŒr technische Physik der ETH ZĂŒrich, die Eidgenössische Anstalt fĂŒr Wasserversorgung EAWAG, die Eidgenössische MaterialprĂŒfungsanstalt, die Fluggesellschaft Swissair, die Aluminium-Industrie AG, Brown Boveri & Cie., die Maschinenfabrik Oerlikon, die Escher-Wyss AG, die Schweizerische Kreditanstalt, die Schweizerische RĂŒckversicherungs-Gesellschaft und die Schweizerische Unfallversicherungs-Gesellschaft SUVA.cite-ref-1[1]
Curta-Sammlungen
Die Curta Rechenmaschinen sind ein begehrtes Sammelobjekt und werden teuer gehandelt. Eine der gröĂten Sammlungen hat der Schweizer Unternehmer Peter Regenass aus Langenthal angelegt. Sie umfasst ĂŒber 100 Maschinen und ist ihrerseits Teil einer umfassenden Sammlung von mechanischen Rechenmaschinen. Ein Teil davon befindet sich heute im Museum Enter in Solothurn. Ein ĂŒberlebensgroĂes Holzmodell erklĂ€rt das Funktionsprinzip der Maschine. GĂ€ste können mit richtigen Curta-Maschinen experimentieren. 2013 fand dort eine Sonderausstellung zur Curta statt.cite-ref-2[2]
Der Schweizer Sammler Peter Regenass schenkte dem Museum Yad Vashem im Jahr 2016 in Jerusalem ein Exemplar der Curta-Rechenmaschine.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Simulationen
âą Tutorials online
âą Simulator in 3D. Online
Videos und Interviews
âą The Astounding Curta Mechanical Calculator. YouTube Video-Demonstration (englisch)
âą Interview mit Curt Herzstark aus dem Jahr 1987 (online)
Literatur
âą Friedrich L. Bauer, Karl Weinhart: Informatik â FĂŒhrer durch die Ausstellung. Deutsches Museum, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-924183-92-9
âą Herbert Bruderer: WeltberĂŒhmte mechanische RechengerĂ€te an der ETH ZĂŒrich. In: Histec Journal.Schweizer Zeitschrift fĂŒr historische Technik, Heft 1, 2015, Seite 14â17
âą Herbert Bruderer: Der Taschenrechner aus dem KZ. In: Liechtensteiner Vaterland, Wirtschaft regional, 26. Oktober 2013, Seite 7
âą Karl Holecek: Neue konstruktive Wege im Rechenmaschinenbau. In: Feinwerktechnik, Nr. 6, 1951.
âą Albert Rohrberg: Theorie und Praxis der Rechenmaschinen. Teubner, Stuttgart 1954, S. 14 ff.
âą Clifford Stoll: Rechnen mit der Kurbel. In: Spektrum der Wissenschaft, Nr. 4, 2004, ISSN 0170-2971, S. 86 ff.
âą Frank Thadeusz: Vergessener Meister. In: Spiegel, Nr. 27, 2013, S. 106.
Weblinks
Commons
: Curtas
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Curta-Seite deutsch
âą Curta-Seite englisch
âą Website Curt Herzstark â curta rechenmaschine ~ curta calculator ~ curta calculateur
âą Altersbestimmung anhand der Seriennummer (englisch)
⹠Thomas Weibel: Zahlen aus der Dose: Der Taschenrechner namens «Curta» Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseum vom 1. Dezember 2021
Einzelnachweise
cite-note-22. â Der erste Taschenrechner der Welt im Solothurner Computermuseum. In: Solothurner Zeitung. 28. MĂ€rz 2013, abgerufen am 2. Juli 2021.
cite-note-33. â Peter Regenass: Ein Geschenk fĂŒr das Museum von Yad Vashem. Hrsg.: Museum Enter, Club der Radiosammler CGRS. Nr. 4. Solothurn 2016, S. 13â15.
cite-note-44. â Hand-held calculator designed by Curt Herzstark from Vienna and completed while imprisoned in the Buchenwald camp. In: Yad Vashem. 2016, abgerufen am 2. Juli 2021.